Orcas in meinem Fjord

Ein Tag wie jeder andere.

 

Ich kam gegen 16:30 vom Büro in Vik, auf der anderen Seite des Fjords, nach Hause. Wenige Minuten später, und gerade als ich meine Jacke ausziehen wollte, hörte ich James in Panik die Tür aufreissen und schreien: ORCAS! Katha, ORCAS. There are ORCAS. Ich griff meine Kamera und lief schnell auf den Balkon, da ich gar nicht so schnell in meine Schuhe kam.

 

Ich hatte durch den Buschfunk schon am Tag vorher gehört, dass sich eine Gruppe Orcas im Moment in der Nähe aufhalten sollten, aber dass sie zu uns an den Fjord geschwommen kommen, konnte ich da noch nicht erahnen. 

Orcas in Balestrand
Orcas in Balestrand

Und da waren sie.

 

Majestätisch schwammen sie direkt an unserem Steg entlang. Eine riesige Finne, gefolgt von 3 weiteren stach durch die Wasseroberfläche. Das kräftige Ausatmen war bis auf den Balkon zu hören. Was ein Anblick! Schnell lief ich zum Steg hinunter um auch nichts zu verpassen.

 

Wieder kam die Gruppe aus Richtung des Vetlefjords direkt in unseren Sværefjord. Nur wenige Meter vom Land entfernt konnten wir sie zu unserer schieren Sprachlosigkeit in all ihrer Schönheit beobachten. Ihre schwarz-weißen, glänzenden Körper glitten schwerelos und das kristallklare Wasser ließ sogar ihre Augen erkennen. Aufgeregt, wie ich war, fand ich kaum die richtigen Knöpfe an meiner Kamera, wurde immer frustrierter und entschied mich dann, diese Naturspektakel einfach für eine Weile zu genießen. Ich lauschte den Fontänen und war voller Spannung, wo die riesigen Finnen das nächste Mal im Fjord auftauchen würden.


Da ich vermutete, dass die Orcas, welche um dieselbe Zeit im letzten Jahr bereits im Fjord gewesen waren, höchstwahrscheinlich dieselbe Route einschlagen werden, beschloss ich kurzum mit Teddy und Dan ins Auto zu springen, um zu sehen, ob wir ihnen womöglich eine Weile folgen könnten. Meine Nachbarn Inge, Hannah und Annie hatten im letzten Jahr ein Erlebnis der Extraklasse, und ich ärgerte mich noch immer dieses verpasst zu haben, da ich damals in die verkehrte Richtung gefahren war, um die Orcas zu finden. Diesmal würde mir dies aber nicht passieren.

 

So fuhren wir also entlang des Fjords in Richtung Farnes, dem Ort an dem Inge und Annie leben. Wir behielten dabei immer die Finnen und Fontänen im Auge. Angekommen am Pier von Inge hielten wir an. Da waren sie wieder, 2 Meter vom Land entfernt und bahnten sich anmutig durch das Wasser.

Die schiere Geschwindigkeit dieser riesigen Tiere ist außergewöhnlich. Wir mussten laufen , um mit ihnen Schritt zu halten. 

 

 

So liefen wir also eine Weile entlang Inges Pier und blieben dabei natürlich nicht unbemerkt. Inge, Annie und Kamilla waren glücklicherweise auch zu Hause, standen direkt hinter uns auf dem Balkon und konnten die Wale vor ihrer Haustür aus im Wasser spielen sehen. Wir waren alle so aufgeregt, und konnten unseren Augen kaum trauen als plötzlich einer der Orcas direkt auf mich und Teddy zu schwamm, seinen Kopf kurz aus dem Wasser hob und dort eine Weile verweilte. Dann zog er sich  langsam rückwärts ins Wasser zurück und schwamm weiter in Richtung Dragsvik.

 


 

Dieses Gefühl einem Orca Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen kann niemals in Worte gefasst werden. Und, während ich diesen kleinen Artikel schreibe, also einen Tag danach, zittern meine Hände noch immer.

 

 

Aber das war noch lange nicht das Ende.

 

Wir folgten ihnen entlang der Küste noch für eine Weile. Manchmal verlor man sie und gab schon fast auf, aber plötzlich war da wieder das gewohnte Schnaufen in der Ferne und man hatte sie wieder im Blick.

 

Wenn wir jetzt nur ein Boot hätten, dachten wir! Das wäre es. Unser eigenes Boot war, da es Februar war, leider noch nicht im Wasser. Die Chancen waren also gering.

Aber dann passiert es. Inge, Annie und Kamilla fuhren an uns vorbei und erklärten, dass Øyvind, mit seinem Boot nach Dragsvik kommen würde und wir dann mit ihm mitfahren könnten.

 

Fantastisch! Das Glück war heute auf unserer Seite und wir stimmten ohne auch nur eine Sekunde zu zögern zu.

 

Da ich wenig Zeit hatte, mich auf diese dann doch ausschweifende Walsafari vorzubereiten, war meine Kleidung spärlich, um nicht zu sagen unpassend. Im Februar nur mit einer dünnen Wolljacke auf einem Boot, kann doch schon kühler werden. Aber Inge kam zu meiner Rettung, und hatte mir in Windeseile seine schöne Daunenjacke umgeworfen. Jetzt konnte also nichts mehr schief gehen. Ab nach Dragsvik.

 

Leider hatte die Schraube des Bootes ein paar Problemchen, so dass wir nicht alle auf das Boot konnten. Aber, da ich die einzige war, die eine annehmbare Kamera bei sich hatte, beschlossen wir, dass ich die Auserwählte sein durfte Øyvind, Guna und Benedikte auf dem Boot zu begleiten .

 

Und was jetzt folgte, dafür lasse ich das Video sprechen. 

 

Mir fehlen dafür nämlich noch immer die Worte. Wenn ihr jedoch mein Grinsen sehen würdet, könntet ihr vielleicht erahnen, was für ein Erlebnis das war.

 

Ein echtes Abenteuer.

 

 

 

PS: Danke an Øyvind und Benedikte, dass ich mit auf Euer Boot durfte. Und natürlich danke an Annie und Inge. Ich habe die besten Nachbarn in der Welt!

 

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